Technische Werkerziehung - Gedanken

Förderung von Geist und Motorik im Kontext einer ganzheitlichen Bildung, einer sinnlich, mit allen Sinnesorganen erfahrbaren Welt. Design - Architektur -Technik

Fachdidaktische, fachideologische, fachpolitische, inhaltliche,... auch personalpolitische Diskussionen, ein Fach neu zu denken, ihm einen neuen Namen zu geben sind ein Prozess, dem sich die Technische Werkerziehung nicht verschließt, sondern sich immer wieder stellt und gestellt hat. Die Auseinandersetzung, das Hinterfragen, einen Gegenstand und seinen Stellenwert in der Gesellschaft zu definieren sind wesentliche Aspekte im Bildungssystem.

Dennoch, es zeichnet sich eine bedenkliche Entwicklung ab. Die Verknüpfung unserer Sinne (ganzheiltliche Erschließung der Welt) im Lernprozess, wird vernachlässigt und verkümmert. Eine Frage sei erlaubt. Welchen Platz, welchen Stellenwert,... nimmt die Technische Werkerziehung in der Stundentafel unserer Schulen als Fach einer ganzheitlichen, alle Sinne ansprechenden Bildung unserer Kinder ein?

Erschließung der Welt

Die Welt erfahren wir nicht wirklich über den Computer (natürlich bin ich nicht der Meinung, sich den Neuen Medien, Inhalten,.. zu verschließen), über Videos, nicht ausschließlich durch Bücher, nicht ausschließlich durch Konsum, sondern vor allem durch selbsttätiges Arbeiten, ein Zusammenspiel unseres Kopfes und all unserer Sinnesorgane.

Kopf und Motorik ein Zusammenspiel

Unser Bewegungsapparat, insbesondere die Hände werden dabei übersehen, vernachlässigt, ja vergessen. Denken wir doch einmal darüber nach, was unsere Hände tagtäglich leisten.

Die Ausbildung (Sensibilisierung, Kontrolle, Bewegung, Grob-und Feinmotorik) des Körpers, der Arme, der Hände und der Finger – davon bin ich überzeugt – ist ein unabdingbarer Inhalt. Diese Förderung muss bereits in der Frühphase der menschlichen Entwicklung stattfinden.

Die Technische Werkerziehung leistet dafür einen sehr wesentlichen Beitrag: Eine erste Idee, eine Vorstellung, ein Gedanke, der im Kopf entsteht, zu Papier gebracht, wird schließlich mit den Händen in ein fassbares, dreidimensionales und einzigartiges Objekt verwandelt. Ein sehr wesentlicher und prägender Aspekt der Technischen Werkerziehung.

Kein anderer Gegenstand fördert Kompetenzen zum Bereich „problemorientiertes Arbeiten, Entwicklung einer Problemlösungsstrategie, Beurteilen und Verwerfen einer Lösung, Beobachten, Erkennen, Analysieren, Verschriftlichen und Protokollieren, Entwicklung von Theorien, praktische Umsetzung und Anwendung, Überprüfung der Praktikabilität, motorische Fertigkeiten...).

In der schulpolitischen Diskussion dürfen unsere Kinder als Ganzes, nicht vergessen werden. Die Gesellschaft muss sich den Herausforderungen, der Verantwortung für eine positive Entwicklung, Förderung und auch Forderung des Menschen in seiner Individualität, in seiner Gesamtheit,... stellen. Neigungen, Interessen in diesen Fächern werden vor allem - ich behaupte - insbesondere durch Handeln und Machen motiviert und gefördert.

SchülerInnen und Schüler mit körperlichen, motorischen Beeinträchtigungen machen beachtliche Fortschritte, was uns von Eltern immer wieder betstätigt wird. Die Technische Werkerziehung unterstützt und fördert die Motorik sehr wesentlich.

Inhalte, Technologien und Arbeitswelt

In keinem anderem Fach als der Technischen Werkerziehung werden derart unterschiedliche Inhalte (Design, Technik, Architektur,...) mit spezifischen Methoden, Themen, Problemstellungen sowohl theoretisch als auch praktisch zu einer Lösung geführt. Wobei der Zugang sich sehr unterschiedlich darstellt. Problemlösungsstrategien handwerkliches Können werden begleitet von größtmöglicher Kreativität, was sich letztlich in den sehr differenten Lösungen zum Ausdruck kommt.

Die Technische Werkerziehung ist eine umfassende und vielschichtige Auseinandersetzung mit den verschiedensten Materielien (Holz, Kunststoff, Metalle,...), Technologien und Werkzeugen, die Verbindung zur Arbeitwelt (Berufsorientierung) ein wichtiger Aspekt.

Demnach wäre es eigentlich angebracht die Stundentafel für solche Fächer anzuheben.

Statements zu Nachdenken

Die Statements sind nicht hierarchisch geordnet, es gibt kein Zweitens, kein Drittens - die Punkte sind gleich Bedeutend.

  • Zusammenwirken von Gehirn und Hand, im Speziellen der Fein- und Grobmotorik. Jeder der Sport betreibt weiß, dass bestimmte Bewegungsmuster durch Training im Gehirn verankert und Verknüpfungen angelegt werden. Gleiches gilt auch für den Künstler, den Designer, Architekten, Chirurgen,… Erst dadurch kann in Bruchteilen einer Sekunde eine bestimmte, notwendige, präzise motorische Aktion (Reaktion) abgerufen werden.

  • Unsere Extremitäten, unsere Arme, unsere Hände, unsere Finger üben eine Bewegung aus,… eine Idee wird rasch zu Papier gebracht (visualisiert) oder mit anderen Materialien für den Betrachter verständlich übersetzt.

  • die bildlich-visuelle und haptisch handelnde Wahrnehmung läuft im Gehirn schneller ab und verfestigt sich eindringlicher - klare Vorstellung.

  • eine rein theoretische bzw. schriftliche Beschreibung zur Erfassung des Wesentlichen ist sehr komplex und damit wesentlich komplizierter

  • Tun, Machen, praktische Arbeit, Versuch und Irrtum, praktisches Erforschen und Experimentieren, praktische Auseinandersetzung

  • „Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.‘‘ Herbert Spencer (1820-1903), engl. Philosoph u. Sozialwissenschaftler

  • vertiefende Erfassung durch praktische Arbeit, Umsetzung von Theorie in praktisch Erfahrbares

  • selbsttätiges Erarbeiten, der Problemlösungsprozess, die praktische Umsetzung erfordern Zeit

  • Erfassung der Welt, der uns umgebenden Dinge mit allen unseren Sinnen - praktisches Begreifen

  • praktisches Machen, Entwickeln, Herstellen insbesondere mit unseren Händen hat einen stark erlebnishaften Charakter

  • Verknüpfung einer Idee, einer Vorstellung und ihrer praktischen Umsetzung, dazu brauchen wir neben geistigen Fähigkeiten auch motorische Fertigkeiten

  • geistige Präzision und handwerkliche Präzision sind kein Widerspruch sondern bedingen einander

  • die Evolution hat uns Menschen zu dem gemacht was wir heute sind, Kopf- und Handmenschen - Steve Jobs würde sagen „this ist really cool“

  • mangelnde Schulung unserer Hände führt zu einem Verlust unserer motorischen Fertigkeiten

  • motorische Talente und Begabungen dürfen nicht verloren gehen, sondern gefördert werden

  • die motorische Schulung muss in frühester Kindheit einsetzen (Lernen durch Bewegung, Tasten, Begreifen, Bauen,…)

  • Theorie und Praxis sind Motor und Teil unserer Kultur (Grau ist jede Theorie...)

  • Bildung, Kultivierung betrifft den ganzen Menschen, in seiner körperlichen und geistigen Erscheinung 

  • Verbindung, Verknüpfung geistiger und motorisch-haptischer Allgemeinbildung

Die Technische Werkerziehung nimmt den Bildungsauftrag einer geistigen, motorischen, haptischen... ganzheitlichen Bildung unserer Kinder und Jugendlichen wahr und setzt diesen um!

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