Maturajahrgang 1962

Bericht zum 50-jährigen Maturajubiläum
des Maturajahrganges 1962
am Freitag 19.Okt.2012

Von den ehemals 15 Maturanten des Maturajahrganges 1962 an der damaligen Aufbaumittelschule mit Internat trafen sich nach 50 Jahren 9 ältere Herren im Stiftshof. Wir waren alle neugierig auf einander, als einer nach dem anderen so aus irgendeiner Ecke des Landes auftauchte. Obwohl wir einander immer wieder bei verschiedenen Jubiläen gesehen hatten, war es nun doch schon wieder 5 Jahre her und jeder hatte sich noch einmal mehr in seiner Persönlichkeit ausgeformt.

Leider hatten wir bereits zwei Kollegen in relativ frühem Alter durch Unfall und Krankheit verloren, auch zwei Kollegen aus Deutschland konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, aber der Rest der etwa 70-jährigen Herren war in gutem Zustand und voll alter Erinnerungen an all die Menschen, die hier mit uns gelebt und gearbeitet hatten und an jeden einzelnen Bauteil, der die Renovierungen überlebt hatte.

Die Aufbaumittelschule im Stift Lambach war damals gerade neu gegründet worden und sollte Schülern vor allem aus den Hauptschulen, aber auch Schulaussteigern der Gymnasien und Spätberufenen einen Weg zur Matura eines Realgymnasiums öffnen. Da es sich um eine Privatschule der Benediktiner handelte, war ein Ziel auch, dass interessierten Studenten das Priesteramt nahegebracht werden sollte. Diese Hoffnung hat sich auch in unserer Klasse erfüllt: ein Mitschüler wurde Priester in Stift Admont, ein weiterer entschied sich während seines Theologiestudiums für eine weltliche Laufbahn, ein dritter schloss sich einer nicht kirchlichen Christlichen Gemeinde an.

Wir wohnten im Internat im nordöstlichen Teil des Klosters, schliefen in riesigen Schlafsälen auf Eisenbetten und ohne Heizung und mussten am Morgen über das kalte Stiegenhaus hinunter in den eisigen Waschraum laufen. Dann gab es eine Stunde Morgenstudium und dann Frühstück und Schule.

An all diesen Zeitzeugen unserer jugendlichen Abhärtung zogen wir vorbei geführt von der zupackend frischen, jungen Frau Direktor Knöbl die uns stolz eine moderne Schule ganz anderer Art zeigte. Zwar fanden wir noch den Klassenraum im ersten Stock, der zum Hof hinunterblickt mit den tief unten liegenden Fenstern, der in den letzten Jahren der Ausbildung unser Klassenraum gewesen war, auch das niedrige Geländer im Stiegenhaus gibt es noch, aber dort, wo wir einst neben einem rauchenden Ofen von einem pensionierten Alt-humanisten Latein lernten ist jetzt dieses Baujuwel freigelegt worden, von dem wir alle nicht geahnt hatten, dass wir uns mitten drin befanden. Wir waren tief beeindruckt von der prächtigen Säulenhalle der Aula und der entstehenden Bibliothek.

Frau Dir. Knöbl führte uns auch in das neue Konferenzzimmer das sich dort erstreckt, wo wir einst mit Prof. Lang die Kirchenchorproben abhielten, unser einziger sozialer Kontakt zur Außenwelt, bei dem wir auch einmal Mädchen treffen konnten.

Es war ein sonderbares Gefühl als eine Schar 16-jähriger Mädchen und Burschen über den Schulhof lief – so alt wie wir damals.

Herr Mag.Derflinger zeigte uns die BE Klasse, die sich im einstigen Präfektenzimmer befindet, er wusste über alle Bauphasen Bescheid und auch über die Geschichte des Hauses. Er hielt uns immer eine graue Fläche (I-Pad) entgegen und sah hinten hinein, ob alles passte. Dann musste er aber auch von uns jeden einzelnen Fotoapparat nehmen und ein Erinnerungsfoto schießen.

Übrigens sind jetzt Schüler und Schülerinnen gemischt und so aufregende Geschichten wie Liebesbriefe im Internat gibt es heute eher in andrer Form und es gibt das Internat nicht mehr, das uns alle mehr geprägt hat, als wir es damals ahnten.

Unser Organisator vor Ort Kollege Alois Radinger hatte als erfahrener Bankmanager noch einige Events für diesen Tag geplant. Eines war das würdige Konvivium im Stiftskeller, in dem wir einst um einige Maß Bier unsere Studentenlieder gesungen hatten und nun wieder zusammen saßen geehrt durch die Anwesenheit von Herrn Altabt Schafellner, Frau Bürgermeister Oberndorfer, unserer liebevollen Schwester Engelberta und unseres nun einzig verbliebenen Prof. Kellermayr.

So wurden nun sehr interessante Details über die Gemeinde Lambach und ihren durchaus weltlichen Kampf um Einnahmequellen, die Umfahrungsstraße, das erhaltungswürdige Stadtbild und das Problem der Betriebsansiedlung durch die Frau Bürgermeister dargestellt.

Zwischendurch wurde das Essen serviert und da die Rednerliste noch so lang war und wir auch noch etwas in alter Tradition singen wollten, kamen wir direkt in Stress vor allem Kollege Radinger, der noch einen weiteren Termin für uns vorbereitet hatte.

Also sprach zunächst unser Klassensprecher aus der Zeit unserer Läutertung und hob deren Wert für uns alle hervor. Außerdem wusste er Einzelheiten aus der bewegten Geschichte dieser damals jungen Schule, die schon im zweiten Jahr aus Geldmangel fast untergegangen wäre und alte, pensionierte Lehrer und geistliche Lehrpersonen rekrutieren musste, was unseren Unterricht griechisch, lateinisch und humanistisch prägte.

Dann hielt Prof. Kellermayr eine kurze humorige Rede und entschuldigte unseren verehrten Prof.Kagerer unseren väterlichen Turnlehrer, der wegen Gelenksproblemen leider kurzfristig absagen musste.

Nun hatte noch Herr Altabt Schafellner das Wort. Mit wenigen Sätzen hatte er das getroffen, was er auch seinen Priester-Seminaristen mitzugeben versteht: tritt heraus aus dem Getriebe des Alltags und suche die Stille in dir. Er konnte in wenigen Worten diese Sehnsucht wohl in uns allen erneuern.

Bevor wir zum abschließenden Ereignis aufbrachen, kamen doch noch unsere mehrstimmigen Studentenlieder zur Aufführung, wobei wir uns zunächst in der Zuteilung der Stimmen nicht mehr sicher waren. Die zweite Stimme sang dauernd die bekanntere erste Stimme mit, sodass der Tenor schließlich die Alt-stimme übernahm. Wir hatten die Noten seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.

Nun hatte Kollege Radinger noch einen Höhepunkt geplant: Da sein Sohn Organist ist, hatte dieser Herrn Dr. Deinhammer gebeten, uns die Orgel der Stiftskirche, die wir zum Teil ja vom Kirchenchor kannten, zu erklären und uns dann etwas darauf vorzuspielen. Mit großer Liebe zur Musik und einem beeindruckenden Wissen sowohl über die Geschichte des Orgelbaues als auch über die hier angewendete mechanische Technik vermittelte er uns völlig neues Wissen über ein Instrument, das uns zu Zeiten nur als dünnes Hilfsmittel zum Überstehen der schwierig notierten Singstimme gedient hatte.

Die darauffolgenden barocken Zwischenspiele und Improvisationen gaben der frühbarocken Stiftskirche die Atmosphäre wieder, die sie hatte, als manche von uns unten im Gebet nach ihrer Berufung suchten.

Dieses 50-jährige Maturatreffen wird uns als unvergessliches und natürlich unwiederholbares Ereignis in Erinnerung bleiben.

Verfasser: Axel Ripper, Maturant und pens.Ahs Lehrer in Wien

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